Antiquaria - Die Geschichte

Die erste Antiquaria fand 1987 statt - im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart. Das Interview im Literaturblatt Baden-Württemberg gibt einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte (Text unten).

Und der kleine Rückblick auf 25 Jahre Antiquaria im Messekatalog 2011 war ein grosses Dankeschön an alle, die die Messe unterstützt haben und begleiten. 1 2 3 4 5


Literaturblatt Baden-Württemberg: Heft 1 / 2011

Drei Fragen an Petra Bewer, Veranstalterin der Antiquaria Ludwigsburg:

Wie entstand die Idee, 1987 in Stuttgart / für die Region eine zweite Antiquariatsmesse bzw. Ausstellung für gebrauchte Bücher zu gründen?

Dazu muss man sich etwas zurückerinnern: Die 68er agierten politisch (Springer-Kampagne) und individualistisch (Kommune 2) zugleich. In den 70er und frühen 80er Jahren begannen die Experimente, das Ganze auch "ökonomisch" umzusetzen. Selbstbestimmt leben und arbeiten - das war die Devise. Gegründet wurden Bio-, Brillen- und Buchläden, Frauenprojekte, Medien- und Fahrradwerkstätten, alternative Verlage, Banken und Schulen usw.

Dieser Gründerboom ging auch in den Gebrauchtbuchhandel über. Im Gegensatz zu dem bis dahin "klassischen" Antiquariat mit Inhabern, die eine traditionelle Ausbildung hatten und sich mit ihrem Angebot vor allem an gut betuchte Bildungsbürger richteten, entstanden viele anders arbeitende Antiquariate: oft in Stadtrandlagen oder auf dem Land. Auf Bücher- und Flohmärkten boten sie ohne Berührungsängste an, was im klassischen Antiquariat bis dahin undenkbar war: Betriebsanleitungen für Motorräder, Karl-May-Werke, Literatur zur Eisenbahn, Kochbücher aus Großmutters Zeiten oder Fibeln, mit denen sie selbst lesen gelernt hatten.

1986 gab es zwei Antiquariatsmessen - eigentlich Leistungsschauen - in Stuttgart und Köln, ausgerichtet vom Verband Deutscher Antiquare. Nur dessen ca. 260 Mitglieder konnten teilnehmen, sonst niemand - für uns elitäre Veranstaltungen, die uns erbosten, weil sie keine Chancengleichheit boten. Wir wollten es anders und besser machen!

Nach einem Büchermarkt hatten Heiner Beuttler und ich die Idee, eine alternative, für alle AnbieterInnen offene Messe zu veranstalten, ohne Katalog, ohne Spitzenangebote. Dafür in einer offenen Bücherstuben-Atmosphäre mit individueller Holzregal-Standgestaltung. Das fand Anklang: Im Mai 1987 fand im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart die erste "Antiquaria" statt, mit 32 Ausstellern, fast alle Quereinsteiger und basisdemokratisch organisiert.

Wie ist daraus die Ludwigsburger Antiquaria geworden?

Wir haben viel gelernt, z.B., dass das Messeangebot attraktiv sein und mit einigen "highlights" locken muss, wenn sich für kaufkräftige Besucher die Anreise lohnen soll, und auch, dass diese sich vorab in einem Katalog informieren wollen. Den gab es dann schon zur zweiten Messe, als liebevoll-individuelle, etwas handgestrickte Loseblattsammlung.

Als wir 1993 in die Ludwigsburger Musikhalle umzogen, öffneten wir nach Londoner Vorbild und vielen Kundenwünschen folgend fast zeitgleich mit der Stuttgarter Antiquariatsmesse. Und mit dem Umzug gab es weitere Neuerungen: Wir stifteten den Antiquaria-Preis, mit dem wir einen Beitrag zur Buchkultur leisten wollten: Nach der unerwartet erfolgreichen und spontan organisierten Spendenaktion für die Erfurter Amploniana-Bibliothek, deren Bestände dringend restauriert werden mußten, haben wir 1995 den Verein Buchkultur gegründet, der am 27. Januar zum 17. Mal den Antiquaria-Preis zur Förderung der Buchkultur verleihen wird. Und: nach langer und heftiger Diskussion verabschiedeten wir uns schweren Herzens von unserer Loseblattsammlung zugunsten eines "seriösen" gebundenen Katalogs.

Was ist heute der wesentliche Unterschied zur Stuttgarter Antiquariatsmesse und welche Verbindungen gibt es mittlerweile?

Mit den Jahren hat sich eine richtig gute Zusammenarbeit beider Messen ergeben, die für den Messestandort "Region" von Vorteil ist: Seit 2002 gibt es eine gemeinsame Veranstaltung im Literaturhaus Stuttgart zum Messeauftakt, seit 2008 ein Kombiticket, und beide Messen bewerben das attraktive Angebot Ende Januar in der Region Stuttgart. Die anfänglichen, teils heftigen Reibereien sind zu Ende, und das freut mich sehr.

Trotz dieser freundlichen Annäherungen pflegt jede Messe ihr eigenes Profil. Wer sich beide Messen anschaut, weiß, was ich meine. Dort der doch kühle Messestandbau, hier die individuell aufgebauten Stände. Einen Tenschert haben wir nach wie vor nicht. Dafür gibt es viele Angebote auch für jüngeren Sammler ohne üppiges Portemonnaie. Aber ganz klar: Die Schnittmengen sind deutlich größer geworden.

Was mir besonders wichtig ist: Die Antiquaria sieht sich nach wie vor als eine Messe für den qualifizierten Antiquars-Nachwuchs, der in Ludwigsburg Erfahrung sammeln kann. Allen Unkenrufen zum Trotz: Diese engagierten und kenntnisreichen Neuen gibt es, auch wenn sie etwas anders ticken als die Alteingesessenen.

Trotz aller Veränderungen denke ich, dass die Antiquaria immer noch etwas vom anfänglich Unkonventionellen hat und sich ihr freundliches und offenes Miteinander bewahrt hat.